SECHZIG BOXENSTOPPS BEIM LETZTEN ZANDVOORT‑TANZ
Lando Norris hat ein Rennen gewonnen, das von intensiver Boxenarbeit und insgesamt sechzig Stopps geprägt war. Der amtierende Weltmeister sicherte sich damit die vorerst letzte Ausgabe des Grossen Preises der Niederlande und schrieb seinen Namen in das Schlusskapitel der Veranstaltung, die 2021 in den Kalender zurückgekehrt war.
Kimi Antonelli wurde Zweiter, George Russell komplettierte das Podium. Die Top Ten nutzten zehn unterschiedliche Strategien, was die enorme taktische Vielfalt des Rennens unterstreicht.
In der Anfangsphase sorgte eine rote Flagge dafür, dass viele Fahrer auf eine andere Mischung wechselten, meist Medium oder Soft. Norris, der auf Medium gestartet war, montierte während der Unterbrechung Soft und absolvierte später zwei weitere Stopps auf Hard.
Antonelli und Russell starteten auf Medium und behielten diese Mischung auch während der roten Flagge. Danach holte Antonelli zweimal Hard und später gebrauchte Soft unter einer Virtual Safety-Car‑Phase. Russell folgte einer ähnlichen Strategie, jedoch ohne Stopp während der Neutralisation.
Die Ferrari‑Piloten entschieden sich nach der Unterbrechung für Soft, doch die Strategien von Hamilton (Vierter) und Leclerc (Fünfter) drifteten auseinander. Leclerc nutzte alle drei Mischungen und beendete das Rennen mit einer Sequenz aus Medium, Hard und Soft. Hamilton wählte einen geradlinigeren Ansatz, verzichtete auf den letzten Stopp und fuhr die finalen Stints auf Hard und Soft.
Fernando Alonso holte zwei Punkte, indem er während der roten Flagge neue Soft montierte und danach nur einmal auf Hard wechselte. Diese Strategie sparte einen Boxenstopp und brachte ihm Platz neun.
Alle Mischungen kamen zum Einsatz. Alonso fuhr die meisten Runden auf Soft (32), Arvid Lindblad legte 31 Runden auf Medium zurück, Carlos Sainz 35 auf Hard.
Im Titelkampf baute Antonelli seine Führung auf 242 Punkte aus, vor Russell und Hamilton mit jeweils 183.


DARIO MARRAFUSCHI – MOTORSPORT-DIREKTOR PIRELLI
„Das letzte Rennen in Zandvoort war voller Wendungen und auch strategisch ausserordentlich komplex, mit allen drei verfügbaren Mischungen im Einsatz. Die Sessions der Vortage hatten ein Bild vermittelt, das sich heute als ungenau erwies und die Teams zwang, ihren Ansatz grundlegend zu überdenken. Ein unerwarteter Regenschauer vor dem Start veränderte die Streckenentwicklung und die Temperaturen lagen deutlich höher als im Sprint am Samstag. Der zuvor moderat wirkende Abbau wurde durch die rutschigen Bedingungen erheblich verstärkt. Nach dem ersten Stint erkannten die Teams sofort, dass eine Ein-stop-strategie nicht konkurrenzfähig sein Würde. Beeinflusst durch die Ereignisse auf der Strecke suchten sie nach den besten Kombinationen für ihre Fahrer. Nach der ersten roten Flagge entstanden fast zehn unterschiedliche Strategien, mit klaren Unterschieden auch unter den Topteams. Einige Beispiele: Lawson nutzte Hard nicht, McLaren verzichtete nach dem Start komplett auf Medium, während andere wie Leclerc alle drei Mischungen einsetzten. Wir sahen somit einen strategisch hochinteressanten Grand Prix, in dem die Teams die spezifischen Stärken jeder Mischung nutzten. Besonders markant war der Einsatz der roten Mischung durch Antonelli und die beiden Ferrari‑Piloten im Finale, um Boden gutzumachen und – im Fall des Italieners – sogar eine Position gegen den Teamkollegen zu gewinnen.“


Red. TSP
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