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⟡ Testo – Fotos: Daniel Huber
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(August 2026) – 170 PS, 30-Liter-Tank, semiaktives Fahrwerk und Radarassistenz: Die Ducati Multistrada V4 Rally zählt zu den technisch aufwendigsten Reiseenduros auf dem Markt. Für 2026 hat Ducati sie nochmals verfeinert. Auf einer grossen Alpenrunde stellt sie eindrücklich unter Beweis, wie mühelos sich Leistung, Komfort und Handlichkeit verbinden lassen.
DUCATIS ERFOLGSMODELL
Mit der ersten Multistrada stellte Ducati 2003 ein Motorrad auf die Räder, das sportliche Performance, aufrechte Ergonomie und echte Reisetauglichkeit miteinander verband. Das Konzept funktioniert bis heute: Für Ducatisti, deren Alltag nicht ausschliesslich auf der Rennstrecke stattfindet, ist die Multistrada das praktische Gegenstück zu Panigale und Streetfighter.
Auch wirtschaftlich gehört sie zu den wichtigsten Modellen der Marke. 2025 lieferte Ducati weltweit 13 873 Motorräder der Multistrada-Familie aus. Damit blieb sie die erfolgreichste Baureihe des Herstellers.
Seit 2021 sorgt nicht mehr der traditionelle desmodromische L-Twin, sondern ein 1158 cm³ grosser V4 Granturismo für Vortrieb. Der Motor leistet 170 PS, verfügt über eine gegenläufige Kurbelwelle und kombiniert sportliche Drehfreude mit bemerkenswert kultiviertem Lauf.
FÜR DIE GROSSE REISE
Innerhalb der Modellfamilie ist die Rally die konsequenteste Fernreiseversion. Ein 30-Liter-Tank, jeweils 200 Millimeter Federweg vorn und hinten sowie schlauchlose Speichenräder unterstreichen ihren Anspruch, auch lange Strecken und schlechte Fahrbahnen souverän zu bewältigen.
Trotz ihres Gewichts von gut 260 Kilogramm mit gefülltem Tank wirkt die Rally bereits nach wenigen Metern erstaunlich zugänglich. Der V4 schiebt aus tiefen Drehzahlen kraftvoll an, läuft geschmeidig und entfaltet ab etwa 5000 U/min eine fast schon rennmotorartige Intensität.
Fünf Fahrmodi stehen zur Verfügung: Sport, Touring, Urban, Enduro und Wet. Im Touring-Modus spricht die Ducati angenehm geschmeidig an, im Sport-Modus deutlich direkter. Urban reduziert die Leistung auf rund 115 PS. Das semiaktive Skyhook-Fahrwerk passt die Dämpfung laufend den Bedingungen an und verbindet hohen Komfort mit präzisem Fahrverhalten.
NOCH MEHR ELEKTRONIK
Die wichtigste Neuerung des Modelljahrs 2026 ist der Ducati Vehicle Observer, kurz DVO. Der aus der Panigale V4 abgeleitete Algorithmus simuliert die Eingangssignale von 70 Sensoren und ergänzt damit die Daten der bestehenden Inertialplattform.
Das System berechnet unter anderem die Lage und Gesamtmasse des Motorrads – inklusive Gepäck und Sozius. Die Informationen fliessen in die Regelstrategien der elektronischen Fahrhilfen ein. Kurven-ABS und Wheelie Control sollen dadurch noch präziser arbeiten.
Hinzu kommen eine grössere hintere Bremsscheibe mit nun 280 Millimetern Durchmesser und der neue Quickshifter DQS 2.0. Dieser kommt ohne Mikroschalter im Schaltgestänge aus und arbeitet mit dem Positionssensor der Schaltwalze. Das Resultat sind kurze, direkte und sehr präzise Schaltvorgänge.
Auch der Windschutz wurde verbessert. Die Scheibe ist 40 Millimeter höher und 20 Millimeter breiter. Bei Autobahntempo macht sich das deutlich bemerkbar.
FAST ZU PERFEKT
Schon auf den ersten Kilometern erinnert die Multistrada V4 Rally an einen modernen Porsche 911: Alles fühlt sich solide, hochwertig und bis ins Detail durchdacht an. Fast so perfekt, dass zunächst etwas emotionale Distanz entsteht.
Geschaltet wird hoch wie runter butterweich. Der V4 reagiert kraftvoll, ohne ruppig zu wirken. Die Bremsen lassen sich fein dosieren, während das Fahrwerk Unebenheiten zuverlässig herausfiltert und trotzdem klare Rückmeldung liefert. Einzig die kleinen Blinkerschalter wirken für ein Motorrad dieser Preisklasse haptisch wenig eindeutig.
Auf der Strasse wird die umfassende Elektronik schnell zum geschätzten Begleiter. Hinter der grossen Scheibe fühlt sich das tatsächliche Tempo meist deutlich niedriger an. Der adaptive Tempomat mit Abstandsregelung hilft dabei, die Geschwindigkeit im legalen Bereich zu halten. Hinzu kommen Totwinkelwarner und Kollisionswarnung.
IN IHREM ELEMENT
Ihre grössten Stärken zeigt die Rally auf langen, kurvigen Strecken. Eine zweitägige Tour über Ricken, Schwägalp, Stoss, Lukmanier, Nufenen, Grimsel, Susten und Klausen bot dafür ideale Bedingungen.
In schnellen Bögen liegt die Ducati stabil und souverän, in engen Kehren lässt sie sich überraschend leicht dirigieren. Auf längeren Verbindungsetappen überzeugen Sitzposition, Windschutz und Federungskomfort. Trotz ihrer Dimensionen verlangt die Rally kaum Eingewöhnung und vermittelt rasch Vertrauen.
Etwas ärgerlich war einzig, dass die zum Ausstattungspaket des Testmotorrads gehörenden Aluminiumkoffer beim Transport von Genf nach Zürich nicht mitgeliefert wurden. Ein wasserdichter Reisesack erfüllte seinen Zweck allerdings ebenfalls sehr gut.
KURZFAZIT
Die Ducati Multistrada V4 Rally ist schnell, komfortabel und technisch hochkomplex, fährt sich im Alltag aber erstaunlich unkompliziert. Das Update für 2026 verändert ihren Charakter nicht grundlegend, verbessert sie jedoch bei Sicherheit, Komfort und Bedienung.
Mit ihrem starken V4, dem ausgezeichneten Fahrwerk und der umfassenden Ausstattung zählt sie zu den komplettesten grossen Reiseenduros überhaupt. Mehr Motorrad braucht man für die grosse Tour kaum – bezahlen können muss man es allerdings auch.




TECHNISCHE DATEN – DUCATI MULTISTRADA V4 RALLY
Modell: Ducati Multistrada V4 Rally
Motor: Flüssigkeitsgekühlter 90°‑V4 mit gegenläufiger Kurbelwelle
Hubraum: 1158 cm³
Leistung: 170 PS bei 10 750 U/min
Drehmoment: 123,8 Nm bei 9000 U/min
Tankinhalt: 30 Liter
Sitzhöhe: 870-890 mm
Fahrfertiges Gewicht: 240 kg
Preis: ab 29’290 Franken
Umfangreiche Ausstattung: Semiaktives Skyhook-Fahrwerk, Radar mit adaptivem Tempomat und Totwinkelwarner, Kurven-ABS, Traktions- und Wheelie-Kontrolle, Quickshifter DQS 2.0, Heizgriffe, Hauptständer, Reifendruckkontrolle und schlauchlose Speichenräder.
⟡ Testo – Foto: Daniel Huber
Red. TSP
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